Es geht nicht mehr nur um klassisches Phishing oder Casino-Spam. Die Flut an automatisierten Nachrichten von bekannten Desinformationsplattformen nimmt ebenso zu. Während diese Mails technisch oft „sauber“ sind (korrektes DKIM/SPF), ist ihr Inhalt oft ebenso unerwünscht.
Mit Rspamd und dem Multimap-Modul lässt sich eine geeignete Blacklist auf Basis von Community-Listen erstellen, um solche Absender gezielt mit Strafpunkten (Scores) zu belegen.
Die Quellen: Woher kommen die Listen?
Man muss das Rad nicht neu erfinden. Es gibt gute Community-Projekte, die Listen bekannter „Fake News“- und Desinformations-Hosts pflegen. Diese liegen meist im hosts-Format vor (0.0.0.0 gefolgt von der Domain).
- Steve Black’s Hosts-Lists: Eine der bekanntesten Quellen. Unter dem Tag
fake-newsfinden sich tausende Domains.- Quelle: github.com/StevenBlack/hosts
- UT1 Blacklist (Universität Toulouse): Bietet sehr feingranulare Kategorien an, unter anderem
publiciteoder spezifische politische Desinformations-Kategorien.- Quelle: dsi.ut-capitole.fr/blacklists/
Die technische Umsetzung in Rspamd
Um eine solche Liste einzubinden, nutzt man das Multimap-Modul. Der wichtigste Aspekt ist hierbei ein sauberes Dateiformat und eine fehlerfreie Konfigurations-Syntax.
Schritt 1: Vorbereiten der Map-Datei
Rspamd benötigt eine einfache Liste von Domains (eine pro Zeile). Wenn man eine Datei im hosts-Format herunterläd, muss man diese bereinigen:
# Extrahiert Domains aus einer Hosts-Datei, entfernt Windows-Zeilenenden und Duplikate
grep '^0\.0\.0\.0' /tmp/quelle.md | awk '{print $2}' | tr -d '\r' | sort -u > /etc/rspamd/local.d/blacklist_desi.map
# Berechtigungen setzen (Wichtig für den Rspamd-User)
chown _rspamd:_rspamd /etc/rspamd/local.d/blacklist_desi.map
chmod 644 /etc/rspamd/local.d/blacklist_desi.map
Schritt 2: Konfiguration in multimap.conf
Man erstellt oder ergänzt die Datei /etc/rspamd/local.d/multimap.conf.
Wichtig: Auf die Semikolons bei Booleans (wie prefilter) achten in anderen Regeln der Datei, da Rspamd sonst die nachfolgenden Regeln ignorieren könnte.
# /etc/rspamd/local.d/multimap.conf
BLACKLIST_DESI {
type = "from";
filter = "email:domain";
map = "/etc/rspamd/local.d/blacklist_desi.map";
symbol = "SENDER_IN_FAKE_NEWS_LIST";
dot_prepend = true;
score = 5.0;
description = "Lokale Blacklist für bekannte Desinformations-Seiten";
}
dot_prepend = true: Sorgt dafür, dass auch Subdomains (z. B.sub.domain.com) erkannt werden, wenn nurdomain.comin der Liste steht.filter = "email:domain": Prüft gezielt die Domain des Absenders.
3. Strategie beim Scoring (Die Qual der Wahl)
Wie hart soll man Desinformation bestrafen? Das hängt vom Einsatzzweck ab:
| Score | Strategie | Auswirkung |
| 2.0 bis 4.0 | Konservativ | Die Mail wird nicht allein dadurch zum Spam, aber in Kombination mit anderen Merkmalen (z.B. fehlendes DKIM) landet sie im Junk-Ordner. |
| 5.0 bis 7.0 | Bestimmt | Reicht oft aus, um bei Standard-Setups die Aktion add header oder rewrite subject auszulösen. |
| 15.0+ | Aggressiv | Die Mail wird sofort abgelehnt (reject). Vorsicht bei „False Positives“! |
Empfehlung: Starten Sie mit 5.0. Das markiert die Mail deutlich, lässt aber Raum für echte Kommunikation, falls eine Domain fälschlicherweise auf der Liste landet.
4. Troubleshooting: Wenn die Map nicht lädt
Falls Rspamd die Regel ignoriert, helfen diese Befehle:
- Syntax-Check:
rspamadm configtest- Man sollte auf Meldungen wie
cannot add ruleachten. Dies deutet oft auf Syntaxfehler in der.confhin.
- Man sollte auf Meldungen wie
- Map-Check:
rspamadm grep -l -s "domain.com" /etc/rspamd/local.d/blacklist_desi.map- Findet das interne Tool die Domain? Wenn nicht, dann prüft man die Datei mit
cat -Aauf unsichtbare Steuerzeichen.
- Findet das interne Tool die Domain? Wenn nicht, dann prüft man die Datei mit
- Live-Test:
printf "From: info@böseseite.com\nSubject: Test" | rspamcErscheint das SymbolSENDER_IN_FAKE_NEWS_LISTim Output? Dann ist alles korrekt konfiguriert.
Mit einer Kombination aus Community-Listen und dem Multimap-Modul lässt sich Rspamd hervorragend individualisieren. So kann man Nutzer nicht nur vor technischem Spam schützen, sondern erhöhen auch die Qualität der zugestellten Informationen durch eine RSPAMD-Bewertung der E-Mails.